Was bitte ist denn Studentenreiten?

Mit dem Wort Studentenreiter verbinden die meisten einen Studenten, der nebenbei auch mal eine gewisse Zeit auf einem Pferd verbringt. Den wenigsten ist bekannt, das sich hinter diesem Begriff wesentlich mehr verbirgt, als man zunächst annehmen würde...

 

Once Upon a Time...

Bereits im 17. Jahrhundert wurde die Studentenreiterei durch die Gründung von Reitschulen an den damaligen Universitäten ins Leben gerufen. Somit wurde auch den weniger privilegierten Studenten der Reitsport zugänglich gemacht.
Im Jahr 1929 wurde der erste akademische Reitbund gegründet, worauf drei Jahre später die ersten nationalen Hochschulmeisterschaften im Reiten in Berlin stattfanden. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die ersten nationalen Vergleichsturniere ausgetragen, 1954 wurde der dar (Deutscher Akademischer Reiterverband) gegründet, und seit 1969 finden auch Studentenreitturniere mit internationaler Beteiligung bis hin zu Weltmeisterschaften statt.
In den Universitätsstädten ganz Deutschlands findet man mittlerweile nahezu 60 Studentenreitgruppen, die sich von Zeit zu Zeit auf der sportlichen Schiene untereinander messen.

 

Was tun Studentenreiter heutzutage? 

Der Begriff umfasst alle, die Spaß am Reiten, an Pferden, an Partys und am Herumreisen haben und sich im Bereich ihrer Hochschule zu einer Gruppe zusammengefunden haben. Dabei ist es nicht unbedingt wichtig, ob man Freizeitreiter, "normaler" Turnierreiter oder Spitzensportler ist. Die Studentenreiterei bietet die Möglichkeit, in ganz Deutschland und ggf. auch im Ausland an Turnieren teilzunehmen ohen ein eigenes Pferd zu besitzen, bei dieser oder anderen Gelegenheiten (wie z.B. Ausritte, Weihnachtsfeiern o.ä.) neue Leute kennen zu lernen und alte Bekannte wieder zu treffen. Oft sieht man auf den Turnieren nicht nur die "gerade Aktiven" einer Reitgruppe, sondern auch viele Ehemalige, die weiterhin das besondere Flair eines Studententurniers genießen. Neben den eigentlichen Studentenreitturnieren sind die Mitglieder der verschiedenen Reitgruppen auch bei vielen anderen Pferdesportveranstaltungen vertreten, wo sie mit viel Engagement ehrenamtlich einen großen Teil des Organisations- und Helferteams stellen. Beispiele hierfür sind u.a. die German Classics, das Hamburger Derby, das große Wiesbadener Schlossturnier oder die traditionsreiche Militaryveranstaltung am Bonner Rodderberg.

Des weiteren ist es vielleicht interessant zu wissen, dass viele heute international hocherfolgreiche Turnierreiter früher auch einmal als Studentenreiter aktiv waren, so zum Beispiel Frank Ostholt, Isabell Werth, Gina Capellmann, Sven Rothenberger oder Michael Klimke.

 

Dressur, Springen, Feiern- ein Wochenende mit Studententurnier

Die sogenannten CHU's (Concours Hippique Universitaire) finden in der Regel außerhalb der grünen Saison (also Herbst bis Frühjahr) statt, um eine Überschneidung mit "normalen" Turnieren weistestgehend zu vermeiden. Hierbei hat grundsätzlich jede Reitgruppe die Möglichkeit, an ihrem Hochschulstandort einmal pro Saison ein Turnier zu veranstalten, zu dem sie 12 (oder auch 15 bzw. 21) andere Reitgruppen des Bundesgebietes einlädt. Jede teilnehmende Hochschule stellt dabei eine Mannschaft aus drei Reitern. Die Pferde werden von der veranstaltenden Reitgruppe gestellt und den Teilnehmern zugelost. 

 

 

Der Wettkampf wird in den Disziplinen Dressur und Springen ausgetragen, dem ein k.o.- System zugrunde liegt, d.h. immer drei Reiter reiten jeweils in Dressur bzw. Springen das gleiche Pferd, wobei nur derjenige mit den 

 

 

besten Wertung eine Runde weiterkommt. Man beginnt jeweils auf A-Niveau, bei Weiterkommen bekommt man ein neues Pferd zugelost und muss eine schwerere Aufgabe bzw. einen schwereren Parcours bewältigen. Die Teilnehmer, die nicht die nächsthöhere Runde erreichen, werden anhand ihrer Wertnote rangiert und dürfen nun den weiteren Verlauf des sportlichen Wettkampfes von der Tribüne aus verfolgen. Die Finalrunden, für die nach diesem System nur je zwei Reiter übriggeblieben sind, werden dann auf M-(bzw. S-Niveau bei 15er- und 21er-Turnieren) ausgetragen.

Am Ende werden vier Platzierungen vorgenommen, und zwar in Dressur und Springen getrennt, eine kombinierte Wertung und eine Mannschaftswertung, in die jeweils die Dressur- und Springergebnisse einer Reitgruppe auf A-Niveau eingehen.

Im Laufe einer Saison werden alle Leistungen im Bundesgebiet genau katalogisiert, woraus sich dann (abgesehen von besonderen Qualifikationsturnieren) das Starterfeld der Deutschen Hochschul-Meisterschaften (DHM) zusammenstellt.

 

 

Und das Drumherum?

Neben dem sportlichen Wettkampf steht bei den Studententurnieren der Spaß im Vordergrund. Meistens stehen die Turniere unter einem vom Veranstalter ausgewählten Motto, die der Phantasie der Mannschaften in Punkto originelle Showeinlagen, Gesangparts oder Verkleidungen keine Grenzen setzt. Deshalb ist auch meist bereits der Eintreffabend selten vor dem Morgengrauen beendet...- von der Party am Samstagabend ganz zu schweigen!
Geschlafen wird normalerweise - wenn überhaupt - in einer Turnhalle in Reitanlagennähe, weshalb niemand seinen Schlafsack und seine Luftmatratze (die Weichböden reichen nicht immer für alle!) vergessen sollte.


Und damit auch die eher Spaß- als Sportorientierten bei der Siegerehrung am Sonntag nicht leer ausgehen, wird auch ein Survival-Cup (die Mannschaft, die am besten für Stimmung gesorgt hat) und  ein Baggerpreis (der Name spricht für sich) vergeben. Tja, und der Rest der Zeit zwischen dem Reiten und den Partys ist in der Regel mit einem unterhaltsamen Rahmenprogramm ausgefüllt...

 

 

Fazit:

Wenn man Spaß am Reitsport hat, offen und kontaktfreudig ist, ein Partyfreak ist und auch mal mit sehr wenig Schlaf auskommt, fühlt man sich bei den Studentenreitern mit Sicherheit so richtig wohl!!! Schau doch mal bei uns vorbei....